Sponsoring beim FC Viktoria Berlin: Warum Vereine auch Nein sagen müssen
Lisa Währer, Co-Founder des FC Viktoria Berlin, über langfristige Partnerschaften, individuelle Sponsorenziele und den Mut, auch einmal Nein zu sagen.
08. September 2026 · ca. 2 Min. Lesezeit
Lisa, was ist aus deiner Sicht entscheidend, damit eine Partnerschaft zwischen Verein und Unternehmen langfristig erfolgreich ist?
Nach der Unterschrift geht die Arbeit eigentlich erst richtig los. Unternehmen und Verein müssen sich kennenlernen und gemeinsam herausfinden, welche Ideen und Aktivierungen funktionieren und welche Ziele sie verfolgen. Wer nur von Unterschrift zu Unterschrift denkt, wird keine langfristigen Partnerschaften aufbauen. Es geht darum, die Partnerschaft wirklich zu leben.
Es geht darum, gemeinsame Geschichten zu erzählen und die Partnerschaft authentisch und glaubwürdig mit Leben zu füllen. Davon profitieren am Ende beide Seiten, aber auch die Fans und Athletinnen und Athleten.
Was tut ihr konkret, um eure Sponsoren für den Verein zu begeistern und langfristig zu binden?
Wir gehen proaktiv auf unsere Partner zu und fragen regelmäßig, wie zufrieden sie mit der Zusammenarbeit sind und wie wir gemeinsam noch erfolgreicher werden können. Dabei ist uns eine Kommunikation auf Augenhöhe wichtig, unabhängig davon, wie groß ein Unternehmen ist.
Gleichzeitig gibt es kein Schema F. Jedes Unternehmen und jede Ansprechperson hat andere Erwartungen und Arbeitsweisen. Deshalb versuchen wir, individuell auf unsere Partner einzugehen, offen über Erfolge und Probleme zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen, wenn Anforderungen über das Vereinbarte hinausgehen.
Wie schafft ihr es, Sponsoren aktiv in das Vereinsleben einzubinden?
Zunächst versuchen wir zu verstehen, warum sich ein Unternehmen überhaupt bei uns engagieren möchte. Welche Ziele verfolgt der Partner? Welche Zielgruppen möchte er erreichen? Welche Werte verbinden ihn mit unserem Verein? Daraus ergibt sich, wie wir die Partnerschaft sinnvoll gestalten können.
Darüber hinaus schaffen wir konkrete Berührungspunkte. Unsere Partner erhalten beispielsweise Freitickets für die Spiele und werden regelmäßig zu unseren Netzwerktreffen eingeladen. So können sie den Verein unmittelbar erleben und Teil unseres Umfelds werden.
Was können kleinere Sportvereine aus eurer Erfahrung im Umgang mit Sponsoren lernen?
Vereine sollten zunächst wissen, wofür sie selbst stehen. Welche Werte haben wir? Was macht uns besonders? Und welche Unternehmen passen zu uns? Wer sein eigenes Profil kennt, kann gezielter auf potenzielle Partner zugehen.
Gleichzeitig lohnt es sich, neue Wege auszuprobieren und auch einmal Nein zu sagen. Wenn eine Partnerschaft von Anfang an viele Kompromisse erfordert oder sich nicht richtig anfühlt, sollte man genau überlegen, ob sie wirklich sinnvoll ist. Das gilt für kleine wie für große Vereine.
Vielen Dank für das Gespräch.