„Ein Sponsor sollte sich nicht wie ein Logo fühlen“
Christopher Lymberopoulos, Direktor Kommunikation & Medien beim Karlsruher SC, über langfristige Partnerschaften, professionelle Vereinskommunikation und die Frage, was kleinere Vereine vom Profisport lernen können.
11. August 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit
Christopher, welche Maßnahmen haben sich beim Karlsruher SC besonders bewährt, um Unternehmen langfristig für den Verein zu begeistern?
Am Ende geht es bei einer erfolgreichen Partnerschaft immer um Menschen und Beziehungen. Deshalb ist der persönliche Kontakt für uns ganz entscheidend. Wir wollen regelmäßig mit unseren Partnern im Austausch sein, ihre Bedürfnisse verstehen und gemeinsam überlegen, wie wir die Zusammenarbeit weiterentwickeln können.
Dabei ist uns wichtig, dass eine Partnerschaft nicht bei einer Werbefläche oder einem Logo endet. Unsere Partner sollen sich als Teil des KSC fühlen. Das schaffen wir beispielsweise durch gemeinsame Projekte und Aktionen, aber auch durch Netzwerkveranstaltungen, bei denen Unternehmen miteinander und mit dem Verein in Kontakt kommen.
Gerade für den KSC spielt dabei unsere regionale Verwurzelung eine große Rolle. Viele unserer Partner haben ihre Heimat in Karlsruhe und der Region. Wir teilen also nicht nur eine Geschäftsbeziehung, sondern häufig auch eine gemeinsame Heimat und regionale Verantwortung. Das schafft eine besondere Verbindung.
Für kleinere Vereine ist aus meiner Sicht vor allem eines wichtig: Nicht jede Partnerschaft muss sofort groß sein. Entscheidend ist, dass man sie ernst nimmt und langfristig denkt. Vertrauen entsteht durch persönlichen Austausch, Verlässlichkeit und gemeinsame Erfahrungen. Wenn ein Unternehmen merkt, dass es dem Verein wirklich wichtig ist, entsteht daraus viel eher eine dauerhafte Partnerschaft.
Und natürlich muss ein Verein seinem Partner auch Sichtbarkeit und einen konkreten Mehrwert bieten, im Stadion oder auf dem Sportplatz, auf der Website, in den sozialen Medien oder bei gemeinsamen Veranstaltungen.
Entscheidend ist die Kombination aus Beziehung, Sichtbarkeit und Aktivierung.
Welche Rolle spielen Website, Social Media und Pressearbeit dabei, wenn Unternehmen einen ersten Eindruck vom Verein gewinnen?
Eine sehr große. Bevor ein Unternehmen mit einem Verein persönlich ins Gespräch kommt, hat es sich häufig bereits online ein Bild gemacht. Die Website und Social-Media-Kanäle sind deshalb heute eine Art digitale Visitenkarte eines Vereins.
Dort sollte schnell erkennbar sein: Wer sind wir? Wofür stehen wir? Was machen wir? Und welchen Stellenwert haben unsere Partner bei uns? Ein professioneller digitaler Auftritt vermittelt dabei nicht nur Qualität, sondern auch Verlässlichkeit.
Gleichzeitig sollte Kommunikation nicht zu glatt oder künstlich wirken. Gerade kleinere Vereine haben einen großen Vorteil: Sie können sehr authentisch und nahbar kommunizieren. Ein Blick hinter die Kulissen während eines Spiels, persönliche Portraits der Spieler, Nachwuchs-Themen, eine besondere Aktion rund um das Spiel, Einbindung der Fans oder ein gemeinsames Projekt mit einem Partner, CSR-Themen, sind da sehr gute und wichtige Themen. Aber auch mal locker und humorvoll sein. Sport soll schließlich uns alle Freude bringen. Genau solche Inhalte zeigen, was einen Verein ausmacht.
Für Unternehmen ist das interessant, weil sie dadurch nicht nur Reichweite sehen, sondern auch die Werte und die Community eines Vereins kennenlernen. Und genau darin liegt häufig der eigentliche Wert eines Sportvereins: in seiner emotionalen Bindung zu Menschen.
Auch die Pressearbeit zahlt darauf ein. Positive Berichterstattung erhöht die öffentliche Wahrnehmung und stärkt die Marke. Social Media wiederum ermöglicht den direkten Dialog mit Fans, Mitgliedern und potenziellen Partnern.
Mein Rat an kleinere Vereine wäre deshalb: Nicht versuchen, wie ein Profiverein auszusehen. Sondern professionell das zeigen, was den eigenen Verein besonders macht. Authentizität und Professionalität schließen sich nicht aus.
Wenn ein kleiner Sportverein morgen professioneller werden möchte: Mit welcher Maßnahme würdest du beginnen und warum?
Ich würde tatsächlich bei der eigenen Kommunikation anfangen. Und dafür braucht es zunächst kein großes Budget und auch keine eigene Kommunikationsabteilung.
Der erste Schritt wäre, sich zu überlegen: Wofür steht unser Verein und was wollen wir Menschen über uns erzählen?
Daraus sollte eine klare und einheitliche Kommunikation entstehen.Dann würde ich zwei Dinge sicherstellen: eine aktuelle, übersichtliche Website und mindestens einen Social-Media-Kanal, der regelmäßig bespielt wird. Entscheidend ist dabei nicht, jeden Tag etwas zu veröffentlichen. Entscheidend ist, kontinuierlich sichtbar zu sein und relevante Geschichten aus dem Vereinsleben zu erzählen.
Viele Vereine machen unglaublich viel, sie erzählen nur zu wenig darüber. Genau darin liegt eine große Chance. Wenn ich als Unternehmen sehe, dass ein Verein aktiv ist, Menschen bewegt, gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und eine engagierte Gemeinschaft hat, bekomme ich einen ganz anderen Eindruck davon, was eine Partnerschaft wert sein kann.
Kommunikation schafft also zunächst Sichtbarkeit. Aus Sichtbarkeit kann Interesse entstehen. Und aus Interesse kann im nächsten Schritt eine Partnerschaft werden.
Deshalb würde ich einem kleinen Verein nicht empfehlen, als Erstes ein großes Sponsoringkonzept mit zehn verschiedenen Paketen zu entwickeln. Ich würde zunächst dafür sorgen, dass der Verein sichtbar, verständlich und professionell wahrgenommen wird.
Wenn die eigene Geschichte und der eigene Mehrwert klar sind, wird es auch wesentlich einfacher, Unternehmen davon zu überzeugen, Teil dieser Geschichte zu werden.
Vielen Dank für das Gespräch.



