Warum 300 Fans mehr wert sein können als 2 Mio. Views

2 Millionen Views klingen nach einem starken Argument für ein Sportsponsoring. Doch was sind diese Kontakte tatsächlich wert? Greg Roe, Co-Founder der Freestyle Trampoline Association, stellt genau diese Frage und sieht die Zukunft des Sponsorings weniger in maximaler Reichweite als in echten Beziehungen.


11. August 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit

greg roe trampolin

2 Millionen Views, ein virales Video, hohe Reichweite: Lange galten solche Kennzahlen als starke Argumente für den Wert einer Sportpartnerschaft. Greg Roe, Co-Founder der Freestyle Trampoline Association (FTA), sieht diese Logik zunehmend kritisch.


„Views are nice. Viral videos are great.“


Doch für Roe entscheidet sich der eigentliche Wert eines Sportsponsorings nicht in den ersten drei Sekunden. Die Aufmerksamkeit zu gewinnen sei nur der Anfang. Entscheidend sei, ob es gelingt, Menschen langfristig für einen Sport, eine Marke und eine Community zu begeistern.


Die FTA versteht sich deshalb nicht nur als Veranstalter von Wettbewerben. Rund um den Freestyle Trampoline Sport entsteht ein Netzwerk aus Athleten, Clubs, Trainern, Trampolinparks, Veranstaltern, Herstellern, Creatorn und Fans. Mehr als 40 Live-Events in rund 30 Ländern bilden dabei nur einen Teil des Ökosystems.


Sponsoren sollen Teil der Community werden


Für Roe liegt darin auch der eigentliche Wert für Unternehmen. Ein Sponsor soll nicht einfach ein Logo platzieren und anschließend die Zahl der erzielten Impressions erhalten. Stattdessen kann eine Partnerschaft Athleten fördern, Events ermöglichen, Equipment bereitstellen, Content produzieren oder digitale Erlebnisse schaffen.


Dadurch wird die Marke Teil dessen, was die Community tatsächlich bewegt.


Gerade für Unternehmen kann das weit über klassische Werbung hinausgehen. Ein Hersteller kann Beziehungen zu Clubs und Trampolinparks aufbauen, ein Technologieunternehmen seine Lösungen bei Athleten und Events einsetzen oder eine Consumer Brand gemeinsam mit Creatorn Inhalte und Erlebnisse entwickeln.


Die Sportorganisation wird damit zur Schnittstelle zwischen Unternehmen und einer engagierten Zielgruppe.

Freestyle Trampoline besitzt dabei einen entscheidenden Vorteil: den spektakulären ersten Eindruck.


Ein außergewöhnlicher Trick reicht oft aus, um jemanden beim Scrollen durch Social Media zum Anhalten zu bringen. Dieser „Wow Factor“ erzeugt Aufmerksamkeit und kann Millionen von Views generieren.


Doch danach beginnt die eigentliche Beziehung.


Wer hinter den Tricks die Athleten, ihre Geschichten und die Community entdeckt, kann vom Zuschauer zum Fan, Teilnehmer oder Mitglied werden. Menschen reisen zu Events, verfolgen Wettbewerbe, treten Vereinen bei und investieren Zeit und Geld in den Sport.


Roe bringt es auf den Punkt: „Viral videos get the butts in the seats. The emotion keeps them there.“


Für Sponsoren entsteht genau dort eine besondere Chance. Wer einen Athleten unterstützt, ein Event ermöglicht oder zur Entwicklung des Sports beiträgt, wird nicht nur gesehen. Die Community versteht, welchen Beitrag die Marke leistet. Aus einem Werbekontakt kann so eine emotionale Verbindung entstehen.

Diese Idee lässt sich auch auf kleinere Sportvereine übertragen. Ein Verein mit 300 engagierten Familien besitzt möglicherweise eine wertvollere Zielgruppe für einen lokalen Sponsor als eine große, aber völlig anonyme Online-Reichweite.


Deshalb sollte Sponsoring nicht nur über Follower und Impressionen verkauft werden. Entscheidend ist, welche Menschen hinter dem Verein stehen, welche Beziehungen bestehen und welche gemeinsamen Erlebnisse ein Unternehmen mit der Community schaffen kann.


Damit verändert sich die zentrale Frage im Sponsoring. Nicht nur: Wie viele Menschen erreichen wir? Sondern: Wie viele Menschen können wir dauerhaft für etwas begeistern?


Reichweite bleibt wichtig. Sie kann die Tür öffnen. Der langfristige Wert eines Sponsorings entsteht jedoch dort, wo aus Aufmerksamkeit Beteiligung und aus Beteiligung eine Beziehung wird.


Genau darin sieht Greg Roe die Zukunft der FTA: Nicht nur Menschen erreichen, sondern sie zu einem Teil der Community machen.

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